Bericht aus der Rhein-Neckar-Zeitung vom 11.04.2009

Händel, Henderson und die beliebten Böhmen

Frühlingskonzert der Feuerwehrkapelle kam bei den Zuhörern bestens an

In diesem Jahr spielte der lang ersehnte Frühling brav mit, als die Feuerwehrkapelle Aglasterhausen am 5. April 2009 um 18 Uhr in der Sport- und Festhalle Aglasterhausen mit Pauken und Trompeten und allem, was sonst noch dazu gehört, ihr Frühlingskonzert eröffnete. Georg Friedrich Händel, dessen Todestag sich am 14. April zum 250. Mal jährt, wurde nach der Begrüßung durch die 1. Vorsitzende Monika Schäfer durch drei Beiträge geehrt: "Marsch" aus der Oper "Scipio", "Aria" aus den Grobschmied-Variationen und das berühmte "Largo" aus der Oper "Xerxes". Der gepflegte Klang des Blasorchesters, unterstützt von Pauken und dezenten Rhythmus-Effekten, hätte dem großen Meister sicher gut gefallen. Ob er in dem anschließenden Stück "The Saints’ Hallelujah" sein Halleluja aus dem "Messias" auch wiedererkannt hätte? Dem Komponisten Luther Henderson, Arrangeur des berühmten Blechbläserensembles "Canadian Brass", ist mit diesem Bravourstück jedenfalls eine zündende Verbindung zwischen "alter" und "neuer", europäischer und afro-amerikanischer Musik gelungen.



Wie gewohnt verstand es der Dirigent und Moderator Werner Engelhardt, durch Rätsel, Anspielungen auf aktuelle Ereignisse (z. B. die tschechische Ratspräsidentschaft in der EU) und interessante musikgeschichtliche Details Hör-Erwartungen zu wecken und das Verständnis für die dargebotene Musik zu vertiefen. "Aus Böhmen kommt die Musik" hieß das Motto des zweiten Konzertteils: über Jahrhunderte bestimmten Komponisten, Dirigenten und Instrumentalisten aus Böhmen - heute Tschechien - das Musikleben in Europa ganz entscheidend mit. Freunde der traditionellen Blasmusik konnten sich freuen über einen Defiliermarsch "Schneidig vor" von Julius Fučik, "Blaue Augen" und "Sommernacht in Prag" von Jaromir Vejvoda, "Trompetenträume" (Solisten: Monika Schäfer und Christian Glier) und "Ständchen" von František Kmoch und den "Erzherzog-Albrecht-Marsch" von Karl Komzák. Bestens vorbereitet, beweglich und mit einer großen Bandbreite von klanglichen und dynamischen Feinheiten folgte die Kapelle den Vorgaben ihres Dirigenten.


Nach der traditionellen Ständchen-Verlosung hieß es Abschied nehmen von Böhmen. Und wem das Stillsitzen bis jetzt schon schwer fiel, dem wurde es zur Qual bei den folgenden Stücken, die das Tanzbein zucken ließen. Mit "Time for Rhythm" von Manfred Schneider (verstorben 2008) präsentierte Werner Engelhardt dem begeisterten Publikum einen Leckerbissen aus "Happy Sound - Tango - Beguine - Swing Waltz - Cha Cha - Slow Rock und Samba", schwungvoll und effektvoll akzentuiert von "seiner" Truppe, die durch zwei Jungbläserinnen (Jana Stark, Lucienne Kargl) ihrer Alterung entgegenwirkt und sich über Gäste freuen konnte: Johannes Engelhardt (E-Bass, Euphonium, Glockenspiel) , Maximilian Engelhardt (Pauken, Rhythmus-Instrumente) und Xaver Frank (Horn). Ein Potpourri von Abschiedsmelodien, ebenfalls von Manfred Schneider, sollte den Abschluss bilden. Aber wo blieb das Schlussstück zum Mitsingen? Also musste es Zugaben geben: zunächst einen "Exportschlager" von Jaromir Vejvoda "Beer Barrel Polka", bekannt als "Rosamunde", dann noch "Hoch Badnerland". Und als "Rausschmeißer" und Vorgeschmack auf das nächste Konzert mit Filmmusik: "The Muppet Show Theme". Die Zuhörerschaft, darunter viele langjährige treue Fans, dankte mit reichlichem Beifall.

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