Die Freiwillige Feuerwehr Aglasterhausen wurde am 23. Mai 1927 gegründet. Wer nachrechnet wird feststellen: Im Jahr 2003 ist sie nicht 75 sondern 76 Jahre alt. Aber weder hat man vergessen, rechtzeitig zu feiern, noch besteht Anlass sich das tatsächliche Alter nicht anmerken zu lassen. Der Grund ist einfach: Die Aktive Abteilung feiert im Jahr 2003 ihren 75. Geburtstag gemeinsam mit der Feuerwehrkapelle, die 50 Jahre besteht.
Bei ihrer Gründung 1927 wurden 73 Bürger in die Wehr aufgenommen. Erster Kommandant war der damals amtierende Bürgermeister Friedrich Sold. Eine Motorspritze, eine große und eine kleine Feuerwehrspritze, ein Hydrantenwagen und eine ausfahrbare Leiter waren die erste Ausstattung. Während heute längst die "stille Alarmierung" über die Funkempfänger die Regel ist, alarmierte anfangs noch ein Hornist die Feuerwehr.
Ein Spielmannszug unter der Leitung von Tambour Philipp Zimmermann wurde damals gleich mitgegründet. Diese Aktivität war jedoch nicht von Dauer und auch nicht der Grundstein für die heutige Feuerwehrkapelle.
Gemäß ihrer Satzung von 1931 war die Feuerwehr Aglasterhausen "eine nach militärischem Muster organisierte Vereinigung von Männern". Aber schon bald darauf wurde der Feuerwehrdienst fast ausschließlich von Frauen geleistet. Da im Verlauf des Krieges immer mehr Wehrmänner Militärdienst verrichten mussten, wurden 40 "Feuerwehrhelferinnen" durch Gretel Neimeier für die Aufgaben in der Feuerwehr ausgebildet. Schwere Fliegerangriffe auf Mannheim und Heilbronn machten zahlreiche Einsätze der Wehr in dieser Besetzung erforderlich.
Nachdem Aglasterhausen am 1. April 1945 von amerikanischen Streitkräften besetzt war, wurde die Feuerwehr neu organisiert. Zunächst hat man den damaligen Bürgermeister Wilhelm Streib mit der kommissarischen Führung der Wehr betraut. Ende 1946 übernahm dann Wilhelm Schäfer die Führung der Wehr, vertreten durch Wilhelm Brenner. 1951 erwarb die Gemeinde vom Landkreis eine Automobilspritze, und auf dem Dach des Rathauses wurde eine Sirene installiert. Am 16. Februar 1953 traf sich die neu gegründete Feuerwehrkapelle zu ihrer ersten Übungsstunde.
1954 wurde der Einsatzbereich der Wehr erweitert: sie war jetzt zuständig für die Überlandhilfe im linksseitigen Mosbacher Kreisgebiet. Hierfür wurde ihr ein LF 8 Borgward/Metz, ein Löschfahrzeug mit Mittelbaupumpe, zugeteilt. Im gleichen Jahr wurde der frühere Kommandant Wilhelm Braun zum Ehrenkommandanten ernannt.
Ende 1962 teilte man die Wehr in Züge und Gruppen ein. Ein Ausbilder der Landesfeuerwehrschule schulte die Wehrmänner, die durch die Gemeinde neu eingekleidet wurden. Am 18. Dezember 1966 übertrug Bürgermeister Lehmann Stellvertreter Wilhelm Brenner das Kommando über die Wehr, da Kommandant Wilhelm Schäfer sein Amt aus gesundheitlichen Gründe nicht mehr ausüben konnte.
Am 4. März 1967 wurde Ernst Zimmermann zum neuen Kommandanten gewählt und ein halbes Jahr später ein Tragkraftspritzenfahrzeug TSF in Dienst gestellt. Neun Kameraden der Wehr erwarben im September 1968 das Feuerwehrleistungsabzeichen in Bronze und ein Jahr später das Leistungsabzeichen in Silber. Die Wehr aus Aglasterhausen war damit die erste Feuerwehr im Kreis Mosbach, die diese Auszeichnung erringen konnte. Mit Herbert Backfisch, Eugen Edelmann, Armin Grunewald, Manfred Layer, Willi Rüdinger, Erwin Sans, Josef Schwager, Adolf Wolf und Ernst Zimmermann erzielte diese Gruppe das beste Ergebnis nach Zeit und Punkten.
Im Jahr 1969 war die Wehr bei einer Gemeinschaftsübung in Michelbach in einer Fernsehreportage zu sehen. 1970 veranstaltete sie erstmals ihr jährliches Waldfest. Hierzu gestaltete sie auf dem "Helmstadter Berg" einen Rast- und Kinderspielplatz, der den Namen "Platz der Feuerwehr" erhielt. Später verlegte man das Fest ins Dorf: das "Lindenbaumfest" löste das Waldfest ab und zieht bis heute regelmäßig die Besucher in großer Zahl auf den Marktplatz.
Im Zuge der Verwaltungsreform in den 70er Jahren schlossen sich die Wehren aus Aglasterhausen, Breitenbronn, Daudenzell und Michelbach zur Gesamtfeuerwehr Aglasterhausen zusammen. Die Abteilungswehren üben seitdem regelmäßig auch gemeinsam und unterstützen sich gegenseitig erfolgreich im Einsatz.
Gleichwohl haben sie sich ihre Eigenständigkeit und ihre Identität bewahrt.
Der Bündelung der Kräfte folgte ein neuer Weg der Nachwuchsgewinnung: Neun Jugendliche konnten im Mai 1974 in die neu gegründete Jugendfeuerwehr aufgenommen werden.
Den Aufbau und die Leitung der Jugendfeuerwehr übernahm Werner Rupp, der diese Funktion bis 1991 ausübte.
Im Januar 1974 begann man mit dem Abriss des alten Feuerwehrgerätehauses, um den dringend erforderlichen Neubau errichten zu können.
Die Gerätschaften wurden hierzu vorübergehend in Räumen der ehemaligen Bahnhofsgaststätte untergebracht. Nach 13 Monaten Bauzeit wurde das neue Feuerwehrhaus beim Feuerwehrfest vom 6. bis 9. Juni 1975 seiner Bestimmung übergeben.
Dabei wurden auch das neue Löschfahrzeug LF 16 und die Funkalarmanlage in Dienst gestellt.
Die Feuerwehrkapelle feierte in diesem Rahmen ihr 20- jähriges Jubiläum.
Mit dem LF 16 erhielt die Wehr auch die dringend benötigte Atemschutzausrüstung, die bei Brandeinsätzen inzwischen kaum mehr wegzudenken ist.
Seitdem finden neben dem regulären Übungsdienst auch spezielle Übungen der Atemschutzgruppe statt. Josef Schwager hat als Atemschutzgerätewart und Übungsleiter die Atemschutzgruppe aufgebaut und bis 1996 geleitet.
1976 wurde Ernst Zimmermann zum Gesamtkommandanten und Walter Edelmann aus Michelbach zu dessen Stellvertreter gewählt. 1977 feierte die Wehr ihr 50-jähriges und ein Jahr später die Feuerwehrkapelle ihr 25- jähriges Jubiläum.
Am 28. März 1981 wechselte die Führung der Wehr: Kurt Gallion wurde zum Ortskommandanten und Berthold Braun zu seinem Stellvertreter gewählt. Beim Feuerwehrfest zum 30-jährigen Bestehen der Feuerwehrkapelle und zum 10. Geburtstag der Jugendfeuerwehr vom 18. bis 21. Mai 1984 hat man den Jugendfeuerwehrwettkampf um den "Werner-Rupp-Wanderpokal" ins Leben gerufen, der seitdem jedes Jahr bei den Jugendfeuerwehren der Umgebung, auch jenseits der Kreisgrenzen, großen Zuspruch findet.
1985 ersetzte man das Tragkraftspritzenfahrzeug TSF durch ein Löschfahrzeug LF 8. Werner Lechner aus Aglasterhausen spendete der Feuerwehr einen Mannschaftstransportwagen, der zusammen mit dem neuen LF 8 in einer Feierstunde am 20. Juli 1985 in Dienst gestellt wurde.
1998 trat Sabine Schreck in die Wehr ein, die sich damit wieder für Frauen im aktiven Dienst öffnete. 1991 wurden Kurt Gallion zum Gesamtkommandanten und Erich Wägele aus Breitenbronn zu seinem Stellvertreter gewählt. Ernst Zimmermann wurde zum Ehrenkommandanten der Gesamtfeuerwehr Aglasterhausen ernannt.
1990 entstand die Freundschaft zur Freiwilligen Feuerwehr in Leutersdorf in der Oberlausitz. Seit dem trifft man sich immer wieder bei den verschiedenen Festen und pflegt die Kontakte. 1993 und 1994 forderte das Hochwasser die Wehr nicht nur zu vielen Einsätzen, sondern betraf sie auch selbst: Gerätehaus und Funkanlage wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. In Eigenleistung renovierte die Feuerwehr das Gerätehaus und zog in der Fahrzeughalle eine weitere Etage ein. Dort konnte auch der Funkraum sicher untergebracht werden. 1995 war die Wehr Gastgeberin für den Kreisfeuerwehrtag, an dem mehr als 30 Feuerwehren teilgenommen haben. Seit 1996 vertritt Bert Schneider Kurt Gallion in dessen Funktion als Abteilungskommandant.
Im Winter 1999 / 2000 unterstützte die Wehr die von Gürsel Temizer initiierte Hilfsaktion für Erdbebenopfer in der Türkei. Gemeinsam mit seinen Feuerwehrkameraden Adolf und Uwe Wolf und Norbert Dratz konnte Temizer mehr als acht Tonnen Hilfsgüter unmittelbar vor Ort in der Türkei verteilen. Auch beim 27. Deutschen Feuerwehrtag in Augsburg im Juni 2000 war die Wehr aus Aglasterhausen mit einer Abordnung vertreten.
Mit der Anschaffung eines modernen LF 16/12 im September 2002 als Ersatz für das LF 16, hat die Wehr mit der technischen Entwicklung Schritt gehalten. Das neue Löschfahrzeug hat sich inzwischen bei mehreren Einsätzen bewährt.
Dieser knappe Rückblick muss sich auf einzelne Ereignisse beschränken und kann nicht alle Details in der Entwicklung der Wehr darstellen. Die Chronik soll aber nicht über Feste, Fahrzeugbeschaffungen und Wechsel in der Führung der Wehr berichten, ohne nicht auch hervorzuheben, dass die Wehr in all den Jahren selbstverständlich immer wieder zum Einsatz gekommen ist - durch die "stille Alarmierung" oftmals für Außenstehende unbemerkt. Ob Verkehrsunfälle, Brände, Hochwasser oder Sturm - die Wehr ist leistungsfähig und leistungsbereit. Mit ihren derzeit 32 Mitgliedern - 2 Frauen und 30 Männer - ist sie für die breit gefächerten Aufgaben gerüstet; Ausbildungsstand und technische Ausstattung sind zeitgemäß. Mit ihren eigenen Veranstaltungen und auch mit ihrer Teilnahme an Aktivitäten der Gemeinde wie z.B. am Kinderferienprogramm, am Martinszug, an Fastnacht oder an der Kerwe, ist sie fester Bestandteil des Ortsgeschehens. Natürlich kommt auch die Kameradschaftspflege nicht zu kurz. Diese zahlt sich wiederum beim Einsatz aus, bei dem die Feuerwehr nur als gut eingespieltes Team erfolgreich ist.
Die Freiwillige Feuerwehr Aglasterhausen hat sich zum Ziel gesetzt, für die Bürgerinnen und Bürger da zu sein und zu helfen, wenn sie gebraucht wird. Sie ist ständig im Wandel. Dabei ist sie sich ihrer Tradition bewusst und fühlt sich auch mit ihren 75 (76) Jahren noch lange nicht zu alt für neue Herausforderungen.

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